Das ist ein Thema, mit dem ich mich schon seit längerem
beschäftige. Es sagt sich einfach und schnell. Was steckt dahinter, meine Frage.
Natürlich muß ich zu allererst einmal bei mir anfangen. Wann gebrauche ich
diesen "Ausspruch". Vielleicht: "Habe ich vergessen" oder aber, "das
interessiert mich nicht". Zumindest ist er mit etwas "Negativen" behaftet.
Ich versuche, diesem Phänomen "Ich habe keine Zeit" ein
wenig auf den Grund zu gehen. "Wie geht es dir" bei einer Begrüßung, da steckt
fast ein Automatismus dahinter und ähnlich sehe ich es auch bei "Ich habe keine
Zeit". Eine Nachfrage, warum keine Zeit, scheut man sich, vielleicht weil man
die Antwort kennt und sie evtl. kränken könnte.
Wäre es nicht ehrlicher zu sagen: "Im Moment habe ich
keine Lust, möchte einfach nur faulenzen und nix tun wollen." Wir würde diese
Aussage bei unserem Gegenüber, unserem Freund, ankommen?
Keine Zeit zu haben hängt sicher auch mit der
schnellebigen Zeit zusammen. Keine Zeit zu haben, ist gesellschaftlich
anerkannt, besagt es doch heute, im Berufsleben und ich kannte es auch: Jeder der freie
Zeit zur Verfügung hat, wird/wurde oft schief angeguckt und bekommt/bekam noch mehr Arbeit
aufgedrückt.... und dann kommt/kam das sog. Zeitmanagement ins Spiel.
Ich, die schon viele Jahre das "Rentenalter" genießt und wie es so schön heißt, daß Rentner nie Zeit haben, stimmt nur halb, einerseits gefährdet,
"keine Zeit zu haben", die Flexibilität des alternden Menschen und andererseits
wiederum, was ich anfänglich schrieb: Keine Lust, Ignoranz.
Es soll keine Verallgemeinerung sein, sondern es
ist eine Einzelerfahrung, meine Erfahrung.
Was kann dagegen getan werden? Mir fällt das Zitat von Robert Lemke dazu ein:
Kein
Mensch ist so beschäftigt, daß er nicht die Zeit hat, überall zu erzählen, wie
beschäftigt er ist.
Und das glaube ich, trifft den Nagel auf den
Kopf.
Diese Floskeln "Ich habe keine Zeit" kann man als reine
formale Redewendungen ansehen, oft inhaltsleere Sprachfüllsel. Durch eine
permanente Wiederholung, entwickelt man dadurch ein "Papageien-Deutsch" so Prof.
Schenk . Auch ich kenne diese "Nichtssagenden Sätze", sie sind so schnell
angenommen, gesagt und schwer wieder zu "entfernen". Erkenntnis führt im
Allgemeinen zum Ziel. Jeder Tag ist ein neuer Anfang.
Was ist aber "Zeit haben". Es gibt sicher die
unterschiedlichsten Definitionen darüber und jede/r sucht sich seine
eigene.
Für den einen ist es die Uhr an der Wand, die die Zeit
ansagt. Manche wiederum glauben, daß sie
nicht existiert. Einige definieren Zeit, daß sie reiner Luxus ist, andere
wiederum kommen aus einer bestimmten Lethargie nicht heraus. Manchmal ist diese
Lethargie krankheitsbedingt und man muß sich Hilfe suchen, um aus diesem
Kreislauf herauszukommen.
Kann man überhaupt von "Zeit haben" sprechen?
Oder ist es nicht immer nur eine Ausrede zu behaupten,
man hätte keine Zeit? Komischerweise haben wir immer Zeit für das, wovon unser
Leben abhängt, oder für das, was uns schlichtweg wichtig ist...
... und das wiederum ist menschlich.
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