Dienstag, 4. Februar 2014

Ich habe keine Zeit

Das ist ein Thema, mit dem ich mich schon seit längerem beschäftige. Es sagt sich einfach und schnell. Was steckt dahinter, meine Frage. Natürlich muß ich zu allererst einmal bei mir anfangen. Wann gebrauche ich diesen "Ausspruch". Vielleicht: "Habe ich vergessen" oder aber, "das interessiert mich nicht". Zumindest ist er mit etwas "Negativen" behaftet.
Ich versuche, diesem Phänomen "Ich habe keine Zeit" ein wenig auf den Grund zu gehen. "Wie geht es dir" bei einer Begrüßung, da steckt fast ein Automatismus dahinter und ähnlich sehe ich es auch bei "Ich habe keine Zeit". Eine Nachfrage, warum keine Zeit, scheut man sich, vielleicht weil man die Antwort kennt und sie evtl. kränken könnte.
Wäre es nicht ehrlicher zu sagen: "Im Moment habe ich keine Lust, möchte einfach nur  faulenzen und nix tun wollen." Wir würde diese Aussage bei unserem Gegenüber, unserem Freund, ankommen?
Keine Zeit zu haben hängt sicher auch mit der schnellebigen Zeit zusammen. Keine Zeit zu haben, ist gesellschaftlich anerkannt, besagt es doch heute, im Berufsleben und ich kannte es auch: Jeder der freie Zeit zur Verfügung hat, wird/wurde oft schief angeguckt und bekommt/bekam noch mehr Arbeit aufgedrückt.... und dann kommt/kam das sog. Zeitmanagement ins Spiel.
Ich, die schon viele Jahre das "Rentenalter" genießt und wie es so schön heißt, daß Rentner nie Zeit haben, stimmt nur halb, einerseits gefährdet, "keine Zeit zu haben", die Flexibilität des alternden Menschen und andererseits wiederum, was ich anfänglich schrieb: Keine Lust, Ignoranz.
Es soll keine Verallgemeinerung sein, sondern es ist eine Einzelerfahrung, meine Erfahrung.
Was kann dagegen getan werden? Mir fällt das Zitat von Robert Lemke dazu ein: 

Kein Mensch ist so beschäftigt, daß er nicht die Zeit hat, überall zu erzählen, wie beschäftigt er ist.
Und das glaube ich, trifft den Nagel auf den Kopf.
Diese Floskeln "Ich habe keine Zeit" kann man als  reine formale Redewendungen ansehen, oft inhaltsleere Sprachfüllsel. Durch eine permanente Wiederholung, entwickelt man dadurch ein "Papageien-Deutsch" so Prof. Schenk . Auch ich kenne diese "Nichtssagenden Sätze", sie sind so schnell angenommen, gesagt und schwer wieder zu "entfernen". Erkenntnis führt im Allgemeinen zum Ziel. Jeder Tag ist ein neuer Anfang.
Was ist aber "Zeit haben". Es gibt sicher die unterschiedlichsten Definitionen darüber und jede/r sucht sich seine eigene.
Für den einen ist es die Uhr an der Wand, die die Zeit ansagt. Manche wiederum glauben, daß sie nicht existiert. Einige definieren Zeit, daß sie reiner Luxus ist, andere wiederum kommen aus einer bestimmten Lethargie nicht heraus. Manchmal ist diese Lethargie krankheitsbedingt und man muß sich Hilfe suchen, um aus diesem Kreislauf herauszukommen.
Kann man überhaupt von "Zeit haben" sprechen? Oder ist es nicht immer nur eine Ausrede zu behaupten, man hätte keine Zeit? Komischerweise haben wir immer Zeit für das, wovon unser Leben abhängt, oder für das, was uns schlichtweg wichtig ist... 

... und das wiederum ist menschlich. 

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