Sonntag, 30. November 2014

1. Advent


Wenn man auch allen
Sonnenschein wegstreicht,
so gibt es doch noch den Mond
und die Sterne und die Lampe
am Winterabend.
Es ist so viel schönes Licht
in der Welt.
(Wilhelm Raabe 1831-1910)


Bis vor ein paar Jahren war für mich die Advent- und Weihnachtszeit, Wochen der Freude, der Besinnung, des Insichgehens, der Vorfreude, der Familie. 

Erstmals nach vielen Jahren, bin ich in diesem Jahr innerlich bereit, diese Adventwochen als ein ganz besonderes Geschenk anzunehmen. Ich habe meinen inneren Frieden wieder gefunden. Ich glaube, ich kann Schicksalsschläge so annehmen, daß sie mich nicht mehr aus der "Bahn" werfen können. 





Sonntag, 23. November 2014

Totensonntag






Am einsamen Grab

Wer steht
an meinem Grab
wer pflanzt
Blumen darauf
wer schickt
Erinnerung hinab
und Gebete
zum Himmel hinauf ?

Der Tod
umfing mich sacht
ich fühlte mich
grenzenlos
er trug mich
wie ein Kind
auf Gottes
gütigen Schoß.

Dort bin ich
nun geborgen
in alle Ewigkeit
denk an mich
und denk
an Dich
es kommt
auch Deine Zeit !

Josef Albert Stöckl


Mittwoch, 19. November 2014

Diwali 2014 - Das indische Lichterfest in Hamburg am 2. November


Hundesitter war bestellt  - meine Gäste aus Halberstadt und Stendal waren angereist. Aus allen Himmelrichtungen Hamburgs kommend und natürlich aus Barsbüttel, trafen wir uns vor dem Hamburg-Haus Eimsbüttel mit einer kleinen Verspätung. Demonstration in Hamburg. 



Durga Arya, Kathak Tänzerin

Es hat allen sehr gut gefallen, ein Fest der Freude in einer großen Familie. Und ich durfte dabei sein. 

Wieder wurde mir ein Stück indische Kultur näher gebracht.  

Das habe ich über die Moderatorin des Abends gefunden: 

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/weltbilder/Die-Hochzeit-meiner-indischen-Cousine,weltbilder3890.html

http://www.julia-niharika-sen.de/

http://de.wikipedia.org/wiki/Julia-Niharika_Sen


Sonntag, 16. November 2014

Gedanken zum Volkstrauertag

Ein deutscher und ein russischer Soldaten standen sich auf einem Schlachtfeld in Rußland gegenüber.

Der russische Soldat im gebrochenem Deutsch: „Bitte nicht schießen“.
Der deutsche Soldat schoß nicht, jedoch der Russe.

Dieser deutsche Soldat war mein Vater. Bis zu seinem Tode verfolgte ihn diese „Szenerie“ im Traum, Albträume sein Leben lang.

Von diesem Traumata erfuhr ich erst nach seinem Tode. Vielleicht erahnte ich es. Es wurde nicht darüber gesprochen.

Obwohl diese Kriegsverletzung unser ganzes Leben, auch meines, beeinträchtigte, war es für meine Eltern ein Herzensbedürfnis, eine Patenschaft mit einer St. Petersburger Familie im Jahre 1957 auszunehmen. Somit konnte ich schon in jungen Jahren an dieser Familie in fernen St. Petersburg teilnehmen. Briefe und Fotos wurden ausgetauscht. Kinder wurden geboren, sie wurden größer, auch ich und die Freundschaft bestanden immer noch.

Diese Patenschaft übernahm ich, als meine Eltern nicht mehr in der Lage waren,  diese  Patenschaft so weiter zu führen, wie sie es gewohnt waren.



9 Jahre erlernte ich die russische Sprache, besuchte die Familie dreimal in St. Petersburg. Unterhalten konnten wir uns so recht und schlecht. Wo die Worte fehlten sprach das Herz. 

Dieses Lied begleitet mich bis heute. Mein Vater, noch mit großem Kopfverband, ich war 4 Jahre alt, verabschiedete sich nach seinem Genesungsurlaub von meiner Mutter. Sie hielten sich im Arm, ich am Rockzipfel meiner Mutter und im Radio erklang eben dieses Lied.

Bei der Trauerfeier meiner Mutter, vor 3 Jahren, verabschiedete ich mich von ihr mit diesem Lied – unserer gemeinsamen Erinnerung.


Trauern ist erinnern.




Sonntag, 9. November 2014

Michelnacht

Das sonnige, relativ milde Herbstwetter und das frühe Dunkelwerden hat mich regelrecht zum Michel gezogen, zur Michelnacht, Immer vor Augen, meine traumhaft schöne Stadt bei Dunkelheit, im Lichterglanz von oben. Und heute war fast noch Vollmond am klaren Himmelszelt.




Andy ging es gut. Ruhig und zufrieden schläft er auf seinem schwarzen Schafsfell. Ich sage ihm vorher immer Bescheid wenn ich gehe, damit  Andy mich nicht sucht, das wäre schlimm für ihn und er würde in Panik geraten.

Also machte ich mich auf den Weg. Nur 2 Digis waren meine Begleiter. Ohne nicht lange zu zögern und zu suchen, steuerte ich auf die Michel-Garage zu. Parkgebühren 1/2 Stunde 1 €. Die Bequemlichkeit und die Sicherheit sind es mir wert, zumal sonst mein kleiner Andy auf der Rückbank im Auto lag. Die Zeiten sind vorbei. Keine Ausflüge mehr mit ihm. Mir wird immer wieder bewußt, wieviel Freude, Liebe, Verständnis, Zuneigung und Vertrauen mir dieser kleine Hund gegeben hat und immer noch gibt. 

Auch wenn ich nicht mehr so flexibel bin, kann ich mein Hamburg genießen und zwar durch die Livecams, die an verschiedenen Punkten der Stadt platziert sind. 

Diese Livecam befindet sich auf der Hauptkirche St. Michaelis, genannt "Michel", dem bekanntesten Wahrzeichen Hamburgs. Der HD-Livestream ermöglicht einen einmaligen Panoramablick auf den Hafen, die Landungsbrücken, die HafenCity, die Elbphilharmonie und die Docks.



Als ich das Parkhaus verließ, umgab mich eine Stimmung, die ich mit Worten nicht beschreiben kann. Es war eine gewisse Melancholie. Solche Momente des Innehaltens,  rufen in mir große Dankbarkeit, Freude und auch eine gewisse Traurigkeit hervor. Dieses Gefühl überkommt mich unwillkürlich beim Anblick des Wahrzeichens der Hansestadt Hamburg, unseren Michel, wie er liebevoll genannt wird. Für heimkommende Schiffe ist er schon von weitem gut sichtbar. 


Der Michel ist die bedeutendste Barockkirche Norddeutschland und ist dem Erzengel Michael geweiht. Die große Bronzestatue über dem Hauptportal hat mich empfangen.


Nach dem Kauf der Eintrittskarte, fuhr ich mit dem Fahrstuhl in den Nachhimmel auf die Aussichtsplattform in 109 Metern ü. M., mit einem 360 Grad Panorama-Rundblick .

Was mich empfing, einmalig, dieser Blick auf die beleuchtete Stadt. Es war ein wenig frisch, der Wind pfiff. Meine Kapuze, die ich wohlweislich mitnahm, schützte mich. Ich nahm die Eindrücke in mir auf und hielt sie fest mit meiner Digi. 



Der noch fast Vollmond verzauberte die Stadt





Ein bißchen dachte ich nun an Andy, beendete meine Rundgänge und ging die Treppen bis zur 9. Plattform hinunter. 






Bei klassische Hintergrundmusik und einem kleinen Getränk genoß ich die Stimmung, setzte mich und schaute mich um. Es hat sich nichts verändert seit meinem letzten Besuch mit Anna aus Bayern und Nelly aus St. Petersburg. Ich allein im weiten Rund, macht nix. War wohl auch noch zu früh für Hamburger Nachtbummler. 

Ich entschloß mich die Treppen im Turm bis zur nächsten "Haltestelle" des Aufzuges zu gehen. Allein im Glockenturm, hohl klang es in diesen Gemäuer, Stille, die ich nicht beschreiben kann. Keine totale Stille, jedoch auch kein Laut. 





Das alte Turmuhrwerk des Michels hat auch für mich eine magische Anziehungskraft. Ich beobachtete die Rädchen, die Räder, Gestänge und alles was diese Riesenuhr in Bewegung setzt. 


Höhenangst durfte ich nicht haben, wenn ich in die Tiefe schaute. 





Mit der Konstruktion dieses Turmuhrwerkes wurde der Uhrmacher Toni Ungerer aus Straßburg beauftragt. Die Uhr konnte im Jahr 1911 in Betrieb genommen werden. Als Vorlage für die neuen Zeiger diente übrigens ein altes Zeigerpaar, das beim Herabfallen zerbrochen und von Ungerer wieder zusammengesetzt worden war. Es befindet sich heute in der Ausstellung "Michaelitica" im Gruftgewölbe.

Für die Turmbesucher war es immer wieder faszinierend, wenn sie das auf dem 8. Turmboden untergebrachte riesige Uhrwerk betrachteten und sich alle 30 Sekunden das Räderwerk in Bewegung setzte, um die fast fünf Meter langen Minutenzeiger zwanzig Zentimeter vorrücken zu lassen. Die kleinen Zeiger haben eine Länge von je 3,65 Metern. Jeder Zeiger wiegt 130 kg und jede Ziffer misst 1,35 Meter.

Seit 1964 stand das große Räderwerk still, weil die Uhr seitdem durch ein kleines unscheinbares Elektrowerk angetrieben wird. Seit der Umstellung rücken die Minutenzeiger nicht mehr alle 30 Sekunden, sondern nur noch einmal in der Minute, jetzt aber 40 cm, weiter.

Seit 1994 wird der genaue Gang der Uhr durch Funk gesteuert. Bei dem stillgelegten Uhrwerk handelt es sich um ein hochinteressantes Beispiel der Maschinenbaukunst vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach Auffassung des Denkmalschutzamtes war es wünschenswert, das Werk vor dem Verfall zu bewahren.

Der Verein Michaelitica an St. Michaelis zu Hamburg e.V. hat das Werk deshalb im Jahre 1996 durch die Firma Iversen, Dimier & Cie, restaurieren und wieder in Gang setzen lassen.




Zum Abschluß meiner Michelnacht ließ ich  zu Hause in aller Ruhe und in Gedanken versunken, die Glocken erklingen.

Samstag, 8. November 2014

Mein Zitat für den heutigen Tag

Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht ist Freude!


Rabindranath Tagore

indischer Dichter und Philosoph

* 06.05.1861 - Kalkutta
† 07.08.1941 - Santiniketan



Pic`s aus 

Der bengalischer Dichter Rabindranath Tagore wurde am 7. Mai 1861 in Kalkutta geboren. Er war das jüngste von vierzehn Kindern einer traditionsreichen Brahmanen-Familie. Sein Großvater Dwarkanath (1794–1846) unterstützte diverse soziale und kulturelle Einrichtungen und engagierte er sich in der Reformbewegung Brahmo Samaj gegen Kastenvorschriften. Rabindranaths Vater Debendranath (1817–1905) war eine zentrale Figur der Brahmo-Bewegung mit der auch Rabindranath früh in Kontakt kam.
Tagores Familie galt als sehr gebildet. Sein Bruder Dwijendranath war ein Lyriker und Philosoph, sein Bruder Satyendranath Sanskrit-Gelehrter, und seine Schwester Swarna Kumari Devi wurde ebenfalls als Schriftstellerin bekannt.
Rabindranath Erziehung beinhaltete sowohl westliche als auch traditionelle indische Traditionen. Aber der schöpferisch hoch begabte Junge, der bereits mit 4 Jahren eingeschult wurde, tat sich schwer in der autoritären Schule. Mit 14 Jahren brach er die Schule ohne Abschluss ab. Stattdessen genoss er die künstlerische Bildung die sein Bruder Jyotiridranath ihm vermittelte. So schrieb er bereits mit acht Jahren erste Gedichte und konnte mit 12 Jahren erste werke publizieren.
Im Jahr 1878 schickte die Familie Rabindranath und seinen Bruder Satyendranath nach England, zum Jurastudium. Tagore besuchte eine Schule in Brighton und hörte später auch Vorlesungen in Literatur der University of London. Jedoch, ein Abschluss machte er nicht, weshalb die Familie ihn nach Indien zurückholte.
1883 wurde Tagore mit der damals 10-jährigen Mrinalini Devi (1874–1902) verheiratet. Seinen Kindern wollte er die negativen Schulerfahrungen ersparen und unterrichtete sie zusammen mit Privatgelehrten zuhause. 1901 gründete er eine Schule in Shantiniketan, in der sein ältester Sohn sowie zunächst vier weitere Kinder unterrichtet wurden. Es wurde eine Schule neuer Art, die sich vom britischen Schulsystem emanzipierte und an dem hinduistischen Brahmacharya-Ideal orientierte. Die damals von Rabindranaths erarbeiteten Schulbücher gehören bis heute zur Pflichtlektüre in Bengalen.
Wie auch früher schon mit seinem Vater so unternahm Tagore auch nach seiner Heirat immer wieder ausgedehnte Reisen, die ihn bis nach Europa und auch Deutschland führten. Die Eindrücke seiner Reisen wie auch seine häufigen Kontakte mit der westlichen Kultur flossen immer wieder in sein literarisches Werk ein. Tagore mengte aber auch Sozialkritik in seine Werke. So beispielsweise in die um die Jahrhundertwende entstandene Novelle "Das zerstörte Nest" (1901) und den Roman "Sand im Auge" (1901). Beide gehen befassen sich mit der nur scheinbar heilen Welt indischer Großfamilien.
Als erste asiatische Nobelpreisträger erhielt Tagore 1913 den Literatur-Nobelpreis für den Gedichtband "Gitanjali".
In den Folgejahren erschienen zahlreihe Bücher mit Rabindranaths Werken in englischer Sprache, die dann in andere europäische Sprachen übersetzt wurden. Erst neuere Übersetzungen greifen wieder auf die bengalischen Originale zurück.
Im Alter begann Tagore mit dem Malen. Seine spontan entstandenen Zeichnungen und Gemälde fanden seinerzeit kaum Beachtung, gelten heute aber als Beginn der modernen Kunst in Indien.
Am 7. August 1941 Rabindranath Tagore in Kalkutta. Als engagierter Kultur- und Sozialreformer hatte er großen Einfluss auf sein Land und ist mit seinem Werk bis heute präsent - selbst für diejenigen, die sich nicht für Literatur interessieren. Denn seine Lieder"Amar Shonar Bangla" und "Jana Gana Mana" sind heute die Nationalhymnen von Bangladesch und Indien.

Quelle: http://www.gutzitiert.de/biografie_rabindranath_tagore-bio1359.html

Das waren noch Zeiten ......

Deshalb sind Briefe
so viel wert, weil sie das
Unmittelbare des Daseins
aufbewahren.

(Goethe)

Ja, das waren  noch Zeiten,  als  ich den  Briefträger  kaum erwarten konnten.  Schnell den Brief öffnete, um an die, so oft  langersehnten Zeilen, zu kommen.  Schon die Handschrift verriet die Schreiberin oder den Schreiber.  Manchmal enthielt der Brief eine kleine gepreßte Blume, ein Blatt oder eine Locke des Sohnes, der Tochter.  Ich schaute nach dem Datum, wann der  Brief verfaßt wurde und zählte die Tage bis zur Ankunft.  Spanien/Deutschland 3 Tage, DDR, naja das dauerte manchmal länger. Dorthin waren Briefe die einzige Verbindung, um das Familienleben einigermaßen aufrecht zu erhalten.  Vielleicht konnte ich auch das Befinden des Schreibers oder der Schreiberin ablesen, wenn es nicht in Worte gekleidet war. Briefe waren Kostbarkeiten, ich konnte sie an mich drücken, sie bewahren, ins stille Kämmerlein mitnehmen oder bei mir tragen

Und ich wiederum wählte einen Ort, der überall sein konnte, im Wald, im Garten, unter einem Baum, am Strand, diese Zeilen zu beantworten . Schönes Briefpapier,  Füller der vorher betankt wurde. Langsam, mit Bedacht wurden Erlebnisse, Allgemeines aus dem täglichen Leben erzählt, Buchstabe für Buchstabe. Ein Brief mußte ordentlich geschrieben sein, Verbesserungen störten den Gesamteindruck. Die Orthographie mußte sitzen. Sollte die Schrift einmal etwas zittrig oder gequält aussehen, teilte ich es dem Empfänger entschuldigend mit, weil  er vielleicht auf den Knien oder auf dem Bauch geschrieben wurde, ein Zeichen der Vertrautheit. Briefmarken, nach Möglichkeiten, Sondermarken wurden rechts oben sorgfältig in die Ecke geklebt und dann mit Empfänger versehen,  zum nächsten Briefkasten gebracht

Ich war am Überlegen, wann ich den letzten Brief schrieb, vor ein paar Jahren, geschrieben in написанных на кириллице. Diese Schrift war für mich wie Kalligraphie.  Ansonsten kommt meine Handschrift nur noch zum Zuge,  zu besonderen Anlässen.

Heute ist es nicht besser und schlechter  als früher, nur anders und bequemer  ....... aber das wäre wieder ein anderes Thema.